Als Herbert und Walter Weinberg Ende März 1942 zusammen mit ihren Eltern, ihrer Tante und deren beiden Töchtern ins Ghetto nach Warschau deportiert wurden, waren sie kaum älter als die 75 Schülerinnen und Schüler des EGW, die auf einem Stadtrundgang über das Schicksal der jüdischen Familien in Werther informiert wurden. Neun Mitglieder des Arbeitskreises „Spuren jüdischen Lebens in Werther“ haben die fast zweistündige Führung organisiert. An vier Erinnerungsorten Zigarrenfabrik Weinberg, Textilmanufaktur Weinberg, Synagoge sowie Textilhandel und Schlachter Sachs wurden mit Bildmaterial und Kurzvorträgen einige Elemente aus der überarbeiteten Broschüre und den
Erinnerungsbüchern vermittelt. Begleitet wurde der neunte Jahrgang von den drei
Lehrkräften, die in den Klassen Geschichte unterrichten. Sie wollten die Integration der lokalen Aspekte in das historische Wissen durch den Arbeitskreis mitverfolgen.
Dabei ging es weniger um Fakten aus dem Leben der 29 Personen aus vier Familien, die 1933 noch in Werther lebten. Sie waren unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung von Berufsverboten, und die meisten später von der systematischen Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz und der Ermordung betroffen. Der Schwerpunkt der Führung lag vielmehr auf den Erlebnissen von Diskriminierung und Ausgrenzung, die schon die Jüngsten
durch Schulverbote und den Ausschluss aus Sportvereinen erleiden mussten. An allen Standorten konnte aus Zeugnissen der jüdischen Jugendlichen zitiert werden, die bei den heutigen Schülerinnen und Schülern eine gewisse Betroffenheit erzeugten.
Die Führung ist Teil der Bemühungen der Wertheraner Schulen, gemeinsam mit dem Arbeitskreis, mit Beiträgen zur Erinnerungsarbeit aus lokaler Sicht die nachfolgenden Generationen für die katastrophalen Folgen zu sensibilisieren, die von rassistisch motivierter Ausgrenzung und Diskriminierung ausgehen können. Diese Botschaft ist heute wichtiger denn je.

